وَقَالَ ٱلَّذِينَ لَا يَعْلَمُونَ لَوْلَا يُكَلِّمُنَا ٱللَّهُ أَوْ تَأْتِينَآ ءَايَةٌ كَذَٰلِكَ قَالَ ٱلَّذِينَ مِن قَبْلِهِم مِّثْلَ قَوْلِهِمْ تَشَٰبَهَتْ قُلُوبُهُمْ قَدْ بَيَّنَّا ٱلْـَٔايَٰتِ لِقَوْمٍ يُوقِنُونَ

“Und diejenigen, die nicht Bescheid wissen, sagen: "O würde Allah doch zu uns sprechen oder käme zu uns ein Zeichen!" Dergleichen Worte führten schon diejenigen, die vor ihnen waren. Ihre Herzen sind einander ähnlich. Wir haben die Zeichen klargemacht für Leute, die überzeugt sind.” — Bubenheim & Elyas

Tafsire

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Taberî9-10. Jh.✓ Zitat verifiziert

Laut diesem Tafsir-Gelehrten haben die Koranerklärer über die Bedeutung des Ausdrucks 'lâ ya'lemûn' (die Nichtwissenden) in diesem Vers unterschiedliche Ansichten: Einige verstehen darunter die Christen, einige die Juden, einige die arabischen Götzendiener. Taberî gibt an, dass die Ansicht, die er bevorzugt, die arabischen Götzendiener sind; dagegen besagt die Aussage über die Identität derer, die 'ähnliche Worte sprechen', dass sie Juden und Christen umfasst, weil die mit 'lâ ya'lemûn' Gemeinten Araber sind. Außerdem überliefert er, dass der Ausdruck 'levlâ yükellimunâ' die Bedeutung 'hätte er uns doch nur gesprochen' hat und eine Wunsch-/Fragesatzform darstellt, wobei er Beispiele aus arabischer Poesie dafür anführt.

وأولى هذه الأقوال بالصحة والصواب قول القائل: إن الله تعالى عنى بقوله: يعني جل ثناؤه بقوله: العرب، فإنه قائل قولا لا خبر بصحته ولا برهان على حقيقته في ظاهر الكتاب.
Zemahşerî12. Jh.✓ Zitat verifiziert

Zemahşerî stellt zwei Möglichkeiten dar, wen der Ausdruck 'vor ihnen' in diesem Vers meint: entweder wird damit gemeint, wer das Alter der Volljährigkeit erreicht hat, oder es ist eine Wiederholung mit der Absicht der Bekräftigung und Verstärkung der zuvor genannten. Nach dieser letzteren Ansicht rührt die Vorrangstellung der Muhâjirûn daher, dass sie vor anderen im Auswanderungsland und im Glauben angesiedelt waren. Außerdem wird nach einer anderen Ansicht der Ausdruck 'vor ihnen' auf die Zeit vor der Auswanderung der Muhâjirûn hindeuten.

أو الذين ذكروا من قبلهم في قوله : من باب التكرير والتوكيد ، كقوله تعالى : من قبل المهاجرين ؛ لأنهم سبقوهم في تبوىء دار الهجرة والإيمان
Fahreddin er-Râzî12-13. Jh.✓ Zitat verifiziert

In diesem Text erläutert Râzî die Begriffe muhkam und mutaschabih von ihrem sprachlichen Ursprung her. Wenn ein Wortlaut keine Mehrdeutigkeit für eine Bedeutung zulässt, ist es nass (eindeutig); wenn ein Wortlaut zu einer Bedeutung überwiegend wahrscheinlich, aber auch für eine andere möglich ist, ist es zâhir/mu'awwal (deutlich/interpretiert); wenn zwei Bedeutungen gleich wahrscheinlich sind, ist es muschaddad/mujmal (gemeinsam/zusammengefasst). Der gemeinsame Name des überzeugenden nass und zâhir ist muhkam (eindeutig), und der gemeinsame Name des mujmal und mu'awwal ist mutaschabih (mehrdeutig). Diese Gleichheit oder Unklarheit, die die Ursache der Unverständlichkeit ist, wird durch die Übertragung des Namens der Ursache auf das Verursachte mittels des Begriffs 'mutaschabih' ausgedrückt.

فقد خرج من التقسيم الذي ذكرناه أن اللفظ إما أن يكون نصا ، أو ظاهرا ، أو مؤولا ، أو مشتركا ، أو مجملا ، أما النص والظاهر فيشتركان في حصول الترجيح ، إلا أن النص راجح مانع من الغير ، والظاهر راجح غير مانع من الغير ، فهذا القدر المشترك هو المسمى بالمحكم
Kurtubî13. Jh.✓ Zitat verifiziert

Kurtubî überliefert unterschiedliche Ansichten von Korangelehrten wie Ibn Abbas, Mücahid, Rebî', Suddî und Katâda zu der Frage, auf wen sich der Ausdruck 'al-lâdhîna lâ ya'lemûn' (die Nichtwissenden) bezieht: nach einigen sind es Juden, nach einigen Christen, nach einigen arabische Götzendiener. Außerdem erläutert er aus sprachlicher Perspektive, dass die Partikel 'laulâ' hier in der Bedeutung 'halâ' (Ermahnung/Anreiz) gebraucht wird, unterschiedlich vom 'laulâ', das Verhinderung ausdrückt. Der Sinn des Textes wird als eine Aussage gedeutet, die Allahs direktes Sprechen über die Prophetie des Propheten Muhammad oder das Bringen eines Wunders/Zeichens fordert.

وليست هذه لولا التي تعطى منع الشيء لوجود غيره والفرق بينهما عند علماء اللسان أن لولا بمعنى التحضيض لا يليها إلا الفعل مظهرا أو مقدرا والتي للامتناع يليها الابتداء وجرت العادة بحذف الخبر
İbn Kesîr14. Jh.✓ Zitat verifiziert

Nach Ibn Kesîr weist dieser Vers darauf hin, dass die Beweise für die Rechtschaffenheit der Propheten für diejenigen, die glauben und bestätigen und den Gesandten folgen, in einer Weise erklärt werden, die keinen weiteren Einwand oder Zusatz notwendig macht. Diejenigen, deren Herzen versiegelt sind, deren Ohren und Augen verhüllt sind, sind die Gruppen, die von diesen Beweisen nicht profitieren können. Außerdem wird ausgesagt, dass die Herzen der götzendienerischen Araber ihrer Blindheit und Eigensinn in den Herzen derer vor ihnen ähneln.

أي قد أوضحنا الدلالات على صدق الرسل بما لا يحتاج معها إلى سؤال آخر وزيادة أخرى لمن أيقن وصدق واتبع الرسل وفهم ماجاءوا به عن الله تبارك وتعالى
Beydâvî13. Jh.✓ Zitat verifiziert

Beydâvî weist darauf hin, dass die Forderungen der Götzendiener oder der störrischen aus dem Volk der Schrift, nämlich 'hätte Allah nicht mit uns gesprochen' oder 'wäre uns kein Wunder gekommen', denen ähneln, die Moses forderten, Allah offen zu zeigen oder das Himmelsmahl herabzusenden. Diese Ähnlichkeit rührt daher, dass ihre Herzen sich in Blindheit und Eigensinn ähneln. Der Ausdruck 'für diejenigen, die Gewissheit bringen' bezieht sich auf diejenigen, die echte Gewissheit suchen oder frei von Zweifel und Eigensinn sind; der Vers weist darauf hin, dass solche Einwände nicht von der Verborgenheit der Verse, sondern nur von Eigensinn und Widerspenstigkeit herrühren.

كذلك قال الذين من قبلهم من الأمم الماضية مثل قولهم فقالوا: أرنا الله جهرة. هل يستطيع ربك أن ينزل علينا مائدة من السماء تشابهت قلوبهم قلوب هؤلاء ومن قبلهم في العمى والعناد.

Vergleich

Gemeinsamkeiten

Taberî, Kurtubî und Ibn Kesîr stützen sich auf Überlieferungsketten (Ibn Abbas, Mücahid, Rebî', Suddî, Katâda), um die Identität derer, die mit 'lâ ya'lemûn' gemeint sind, zu bestimmen, und bieten Juden, Christen oder arabische Götzendiener als Optionen an, und sie sind sich einig, dass die Störrischkeit/Blindheit in den Herzen dieser Gruppen ähnlich ist wie bei früheren Gemeinschaften (Beydâvî, Ibn Kesîr). Zemahşerî, Râzî und Kurtubî greifen auf gemeinsame Weise auf Sprach-/Stilanalyse (Bedeutungen von Partikeln, Wort-Bedeutungs-Verhältnis) zurück, um die Bedeutungsschichten des Verses zu klären.

Unterschiede

Während Taberî verschiedene Überlieferungen präsentiert und die arabischen Götzendiener bevorzugt, begnügt sich Kurtubî damit, ähnliche Überlieferungen anzuführen, ohne eine eindeutige Präferenz zu treffen; Ibn Kesîr dagegen verlagert das Thema in einen kontextuellen/gläubigen Rahmen und konzentriert sich auf das Thema der Versiegelung des Herzens. Der Fokus von Zemahşerî liegt völlig auf einer anderen sprachlich-grammatischen Möglichkeit (Vorrangstellung/Zeit); Râzî konzentriert sich dagegen weniger auf den Inhalt des Verses als auf den sprachlichen Ursprung der Konzepte muhkam und mutaschabih; Beydâvî betont durch eine vergleichende Geschichtenlesung, dass der Vers auf eigensinnige Forderungen hinweist. Diese Unterschiede rühren von den Interessenschwerpunkten der Gelehrten her (Überlieferungssammlung, Linguistik, Theologie, Exegesemethod).

Historischer Kontext

Der frühe Tafsîr-Gelehrte Taberî stützte sich überwiegend auf Überlieferungsberichte, während spätere Gelehrte (Zemahşerî, Râzî, Beydâvî) die Sprach- und Stilanalyse systematischer auf den Vers anwandten, und Ibn Kesîr harmonisierte Überlieferung mit kontextueller/gläubiger Interpretation. Das grundlegende Überlieferungsmaterial (Namen wie Mücahid, Katâda, Suddî) blieb über alle Perioden hinweg stabil, aber die methodische Betonung verschob sich mit der Zeit von der Überlieferung zu sprachlichen und theologischen Analysen.

Bezug zur Gegenwart

Diese vergleichende Lektüre erinnert an die Bedeutung einer aufgeschlossenen Haltung gegenüber Wissen und Beweisen; denn die Tafsîr-Gelehrten betonen, dass die meisten Einwände nicht von einem Mangel an Beweisen, sondern von der Verschlossenheit des Herzens herrühren. In diesem Zusammenhang wird unterstrichen, dass zwischen Wissen und Glaube kein Widerspruch gesucht werden sollte, sondern dass Forschung und Befragung mit Aufrichtigkeit und vorurteilsfreiem Verstand gefördert werden sollten – eine Lehre, die auch für die heutige Zeit von Bedeutung ist.

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