وَإِذْ أَخَذْنَا مِيثَٰقَ بَنِىٓ إِسْرَٰٓءِيلَ لَا تَعْبُدُونَ إِلَّا ٱللَّهَ وَبِٱلْوَٰلِدَيْنِ إِحْسَانًا وَذِى ٱلْقُرْبَىٰ وَٱلْيَتَٰمَىٰ وَٱلْمَسَٰكِينِ وَقُولُوا۟ لِلنَّاسِ حُسْنًا وَأَقِيمُوا۟ ٱلصَّلَوٰةَ وَءَاتُوا۟ ٱلزَّكَوٰةَ ثُمَّ تَوَلَّيْتُمْ إِلَّا قَلِيلًا مِّنكُمْ وَأَنتُم مُّعْرِضُونَ
“Und als Wir mit den Kindern Isra'ils ein Abkommen trafen: Dient keinem außer Allah! Und zu den Eltern sollt ihr gütig sein und zu den Verwandten, den Waisen und den Armen! Und sagt Gutes zu den Menschen, verrichtet das Gebet und entrichtet die Abgabe. Danach kehrtet ihr euch - bis auf wenige von euch - ab; ihr seid ja Widerstrebende.” — Bubenheim & Elyas
Zemahşerî12. Jh.✓ Zitat verifiziert
Zemahşerî untersucht in diesem Abschnitt die grammatikalische Struktur des Gebotes der Güte gegenüber den Eltern: er erläutert die Struktur der Bedingungspartikel in der Aussage 'إما يبلغن', wie die Wörter 'أحدهما' und 'كلاهما' als Subjekt und Apposition fungieren, sowie die verschiedenen Lesarten und die Bedeutung des Wortes 'أف'. Der Hauptschwerpunkt liegt darauf, dass das Kind gegenüber den alternden Eltern sie nicht ermüden darf, sondern ihnen gegenüber sanft sein soll, denn die Kinder sind die einzigen, die sich um die Eltern kümmern, daher sollten sie die Zärtlichkeit erwidern, die diese in ihrer Kindheit zeigten.
هو أن يكبرا ويعجزا ، وكانا كلا على ولدهما لا كافل لهما غيره ، فهما عنده في بيته وكنفه ، وذلك أشق عليه وأشد احتمالا وصبرا
Fahreddin er-Râzî12-13. Jh.✓ Zitat verifiziert
Dieser Text vermittelt die Lesartvarianten des Verses (Lesung mit ya/ta) und fünf verschiedene Ansichten zur Position des Verbs 'ya'budûne' in der Satzanalyse. Außerdem wird bei der Frage der Güte gegenüber den Eltern im Verlauf des Verses erwähnt, dass die Erwähnung von Güte gegenüber den Eltern nach dem Gottesdienst zeigt, dass die Elternschaft das größte Geschenk nach dem Segen des Schöpfers ist. Es wird auch hervorgehoben, dass die Verwendung des unbestimmten Nominativs 'ihsân' (Güte) auf Vollkommenheit und Größe hinweist.
ورابعها : أنه قال : { إحسانا } بلفظ التنكير والتنكير يدل على التعظيم ، والمعنى : وقضى ربك أن تحسنوا إلى الوالدين إحسانا عظيما كاملا
Kurtubî13. Jh.✓ Zitat verifiziert
Kurtubî behandelt in diesem Abschnitt mehrere verschiedene Angelegenheiten bezüglich des Bundes, der mit den Söhnen Israels geschlossen wurde: er überliefert unterschiedliche Ansichten zur Satzanalyse des Ausdrucks 'لا تعبدون' (Eidsatz, Verbot, Zustand oder mit vorausgesetztem 'أن' konjugiertes Verb); bei der Frage der Güte gegenüber den Eltern erwähnt er die Bedeutung von Güte und dazu relevante Hadithe; außerdem verweist er darauf, dass die Ausnahme 'قليلا' unterbrochen ist und von den schuldlosen Dienern spricht.
قال سيبويه : لا تعبدون متعلق بقسم والمعنى وإذ استخلفناهم والله لا تعبدون وأجازه المبرد والكسائي والفراء وقرأ أبي وبن مسعود لا تعبدوا على النهى
İbn Kesîr14. Jh.✓ Zitat verifiziert
Ibn Kesîr erklärt, dass Waisen kleine Kinder sind, die keinen Versorger haben, und Bedürftige sind jene, die weder für sich selbst noch für ihre Familie ausreichenden Unterhalt finden. Er erläutert, dass das Sprechen wohlwollender Worte zu Menschen auch das Gebieten des Guten und das Verbieten des Bösen umfasst, wodurch sowohl tatsächliche als auch sprachliche Güte vereint werden. Außerdem überliefert er, dass die Gelehrten sich uneinig sind, ob die Regelung des Vermächtnisverses bezüglich der Anteilzuteilung an die Anwesenden aufgehoben wurde oder nicht.
وناسب أن يأمرهم بأن يقولوا للناس حسنا بعد ما أمرهم بالإحسان إليهم بالفعل فجمع بين طرفي الإحسان الفعلي والقولي
Beydâvî13. Jh.✓ Zitat verifiziert
Laut Beydâvî ist der Ausdruck 'lâ ta'budûne illallah' obwohl er in der Form einer Mitteilung vorliegt, im Sinne eines Verbots (Gebot zu unterlassen) zu verstehen, und dieser Stil ist ausdrucksvoller als ein offenes Verbot, da er den Eindruck erweckt, dass der Angesprochene das Verbot sofort befolgt. Außerdem wird erwähnt, dass das Verb 'kûlû' auf diesen Ausdruck bezogen wird und 'Rede' impliziert, oder dass es mit vorausgesetztem 'en' im Akkusativ stehen sollte, aber da es ausgefallen ist, wird es im Nominativ gelesen. Der Text erläutert ferner, dass sich der Ausdruck 'bi'l-vâlideyni ihsânen' auf ein unterdrücktes Verb bezieht (tuhsinûne/ahsinû) und dass 'husnâ' in 'kûlû li'n-nâsi husnâ' aus Gründen der Verstärkung so benannt wird.
وهو أبلغ من صريح النهي لما فيه من إيهام أن المنهي سارع إلى الانتهاء فهو يخبر عنه ويعضده قراءة: «لا تعبدوا» . وعطف قولوا عليه فيكون على إرادة القول.
Taberî9-10. Jh.✓ Zitat verifiziert
Laut Taberî stammt das in diesem Vers erwähnte Wort 'mîsâk' von der Wurzel 'tevessuk' ab, was die Befestigung durch einen verstärkenden Eid bedeutet. Der Sinn des Verses ist die Erinnerung daran, dass den Söhnen Israels von Allah ein Bund auferlegt wurde, nicht als andere als Allah anzubeten. Außerdem beruht der Unterschied zwischen der Lesung des Ausdrucks 'lâ ta'budûne' mit te und ye auf der Logik des Eides; dieser kann sowohl in der zweiten als auch in der dritten Person ausgedrückt werden.
قد دللنا فيما مضى من كتابنا هذا على أن الميثاق مفعال، من التوثق باليمين ونحوها من الأمور التي تؤكد القول
Vergleich
Gemeinsamkeiten
Der gemeinsame Punkt der Exegeten ist, dass sie sich auf die grammatikalische Struktur des Verses konzentrieren (Lesartvarianten, Diskussionen zur Satzanalyse, Prohibitiv- und Gebotsstile) und anerkennen, dass das Gebot der Güte gegenüber den Eltern, das nach dem Gottesdienst erwähnt wird, eine besondere Bedeutung hat. Während Zemahşerî, Râzî, Kurtubî und Beydâvî Sprachanalyse priorisieren, fügen Ibn Kesîr und Taberî auch Überlieferungsmaterial hinzu.
Unterschiede
Zemahşerî und Beydâvî konzentrieren sich in erster Linie auf Grammatik und Rhetorik; Râzî verbindet feine rhetorische Details wie bestimmter/unbestimmter Artikel mit moralischen Schlussfolgerungen. Kurtubî und Ibn Kesîr wenden eine stärker überlieferungsorientierte Methode an, indem sie Hadithe und Aussagen der Gefährten einbeziehen und so die juridisch-ethische Dimension erweitern. Taberî hingegen verbindet die Leservariante direkt mit dem historischen Bundes-/Abkommenkontext und der göttlichen Ansprache an die Söhne Israels; dies ist eine Widerspiegelung seiner überlieferungsgestützten Exegesemethode.
Historischer Kontext
Die von Taberî eingeleitete überlieferungsorientierte Lesart verlagert sich in späteren Perioden bei Zemahşerî und Beydâvî mehr zu Sprach- und Rhetorikanlyse; Râzî und Kurtubî synthetisieren beide Methoden und halten sie ausgewogen. Bei Ibn Kesîr wird eine Rückkehr zu den Überlieferungen beobachtet. Somit ändern sich zwar die Methodenpräferenzen im Laufe der Zeit, aber die Kernbotschaft des Verses – Sanftheit und Mitgefühl gegenüber den alternden Eltern und das Bewusstsein für die Gnade – bleibt konstant.