إِنَّ ٱلَّذِينَ ءَامَنُوا۟ وَعَمِلُوا۟ ٱلصَّٰلِحَٰتِ وَأَقَامُوا۟ ٱلصَّلَوٰةَ وَءَاتَوُا۟ ٱلزَّكَوٰةَ لَهُمْ أَجْرُهُمْ عِندَ رَبِّهِمْ وَلَا خَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَلَا هُمْ يَحْزَنُونَ
“Gewiß, diejenigen, die glauben und rechtschaffene Werke tun, das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn, und keine Furcht soll sie überkommen, noch werden sie traurig sein.” — Bubenheim & Elyas
Taberî9-10. Jh.✓ Zitat verifiziert
Laut Taberî teilt dieser Vers mit, dass diejenigen, die glauben und rechtschaffene Werke verrichten, das Gebet zu seinen Zeiten und Grenzen verrichtend beachten und die Zakat denen geben, die ein Recht daran haben, selbst wenn sie zuvor Riba gegessen haben, wenn ihnen von ihrem Herrn eine Ermahnung in dieser Angelegenheit kommt, Buße tun und davon ablassen — dass ihre Lohnung bei ihrem Herrn im Jenseits sein wird. Diese Personen haben weder im Diesseits Angst vor Strafe am Tag der Auferstehung noch Traurigkeit wegen des Riba-Gewinns, den sie aufgegeben haben; denn sie haben die Verheißung Allahs erlangt.
إن الذين آمنوا، يعني الذين صدقوا بالله وبرسوله، وبما جاء به من عند ربهم من تحريم الربا وأكله وغير ذلك من سائر شرائع دينه، وعملوا الصالحات التي أمرهم الله عز وجل بها، والتي ندبهم إليها وأقاموا الصلاة المفروضة بحدودها، وأدوها بسننها، وآتوا الزكاة المفروضة عليهم في أموالهم
Kurtubî13. Jh.✓ Zitat verifiziert
Nach diesem Tafsir-Gelehrten werden das Gebet und die Zakat trotz ihrer Einbeziehung in die rechtschaffenen Werke besonders erwähnt, um ihnen Ehre zu verschaffen und ihre Bedeutung hervorzuheben; denn das Gebet ist das Haupt der körperlichen Werke und die Zakat ist das Haupt der Vermögenswerke. Darüber hinaus bedeutet die Verrichtung des Gebets, dass es gemäß seinen Pflichten, Demut und Zeiten sowie unter Beachtung seiner Bedingungen und Formen vollzogen wird.
وخص الصلاة والزكاة بالذكر وقد تضمنها عمل الصالحات تشريفا لهما وتنبيها على قدرهما إذ هما رأس الأعمال الصلاة في أعمال البدن والزكاة في أعمال المال
İbn Kesîr14. Jh.✓ Zitat verifiziert
Nach Ibn Kesîr bedeutet dieser Ausdruck, dass das Gebet unter Beachtung seiner Grenzen (hudûdiha), seiner Zeiten (mevâkîtihâ), seiner Verbeugung und Niederwerfung sowie seiner Demut auf eine dem Gesetzes und dem Wohlgefallen Allahs entsprechende Weise verrichtet werden muss. Nach diesem Text ist das Gebet die größte Anbetung vor Allah.
بحدودها ومواقيتها وركوعها وسجدوها وخشوعها على الوجه الشرعي المرضي وهي أعظم العبادات لله عز وجل
Beydâvî13. Jh.✓ Zitat verifiziert
Nach Beydâvî werden in diesem Vers zunächst die rechtschaffenen Werke allgemein erwähnt und dann werden Gebet und Zakat besonders wiederholt; der Grund dafür ist, dass diese beiden Anbetungsformen den anderen rechtschaffenen Werken überlegen und vorangestellt sind. Diese Diener haben ihren Lohn bei ihrem Herrn; sie fürchten sich nicht vor dem Zukünftigen (vor der Angst vor dem Jenseits) und trauern auch nicht über das Vergangene oder das, das sie versäumt haben.
وعملوا الصالحات وأقاموا الصلاة وآتوا الزكاة عطفهما على ما يعمهما لإنافتهما على سائر الأعمال الصالحة. لهم أجرهم عند ربهم ولا خوف عليهم من آت. ولا هم يحزنون على فائت.
Vergleich
Gemeinsamkeiten
Alle Tafsir-Gelehrten akzeptieren, dass der Vers Glaube, rechtschaffene Werke, Gebet und Zakat zusammen erwähnt; dass Gebet und Zakat zwar im Umfang der rechtschaffenen Werke enthalten sind, aber besonders betont werden. Außerdem wird gemeinsam betont, dass diejenigen, die diese Eigenschaften haben, im Jenseits vor Angst und Traurigkeit sicher sind und ihre Belohnung bei Allah liegt.
Unterschiede
Taberî verbindet den Vers mit dem Kontext des Riba und betont besonders, dass diejenigen, die Buße tun, in diese frohe Botschaft eingeschlossen sind; dies ist eine kontextuelle-historische Lesart. Kurtubî und Beydâvî hingegen konzentrieren sich aus sprach- und rhetorischer Sicht auf die 'Chassan-Amm' (spezifisch-allgemein) Beziehung und versuchen zu erklären, warum Gebet und Zakat besonders erwähnt werden. Ibn Kesîr bietet hingegen eine detailliertere fiqh-moralische Beschreibung der formalen und geistigen Bedingungen des Gebets (Demut, Zeit, Säulen).
Historischer Kontext
Der frühe Tafsir-Gelehrte Taberî bettet den Vers mehr in den historischen/Ereigniskontext ein (Riba-Verbot); spätere Gelehrte wie Kurtubî, Ibn Kesîr und Beydâvî haben sich im Laufe der Zeit systematischer auf die Sprachstruktur des Verses und den fiqh-moralischen Inhalt der Anbetungsformen konzentriert. Dies spiegelt die methodische Entwicklung der Tafsir-Tradition von einer ereigniszentrierten Auslegung zu einer linguistischen und anbetungszentrierten Analyse wider; die zugrundeliegende Botschaft ist jedoch gleichgeblieben.
Bezug zur Gegenwart
Dieser Vers weist darauf hin, dass Anbetung nicht nur formell, sondern mit Demut und Aufrichtigkeit (Ihlas) verrichtet werden muss; dass Gebet und Zakat hervorgehoben werden, erinnert daran, dass persönliche Anbetung und gesellschaftliche Solidarität zusammen wertvoll sind. Heute kann dies als die Bemühung des Individuums verstanden werden, seine innere Welt mit Disziplin aufzubauen und gleichzeitig das Verantwortungsbewusstsein gegenüber anderen auszubalancieren; ein aufrichtiges, mit Geduld aufrechterhaltenes Anbetungsleben und Gesellschaftssensibilität können als sich gegenseitig ergänzende Elemente betrachtet werden.
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