وَإِذِ ٱبْتَلَىٰٓ إِبْرَٰهِـۧمَ رَبُّهُۥ بِكَلِمَٰتٍ فَأَتَمَّهُنَّ قَالَ إِنِّى جَاعِلُكَ لِلنَّاسِ إِمَامًا قَالَ وَمِن ذُرِّيَّتِى قَالَ لَا يَنَالُ عَهْدِى ٱلظَّٰلِمِينَ
“Und (gedenkt,) als Ibrahim von seinem Herrn mit Worten geprüft wurde, da befolgte er sie. Er (Allah) sagte: "Ich will dich zu einem Vorbild für die Menschen machen." Er (Ibrahim) sagte: "Und von meiner Nachkommenschaft?" Er sagte: "Mein Bund erstreckt sich nicht auf die Ungerechten."” — Bubenheim & Elyas
Taberî9-10. Jh.✓ Zitat verifiziert
Dieser Text überliefert sehr unterschiedliche Berichte darüber, welche 'Worte' es waren, durch die Ibrahim geprüft wurde: einige zählen zehn Bestimmungen auf, die mit der Körperreinigung zusammenhängen (Sunna, Nagelschneiden, Schnurrbartkürzen usw.), einige zählen die Riten der Pilgerfahrt auf, einige nennen die Opferung seines Sohnes, das Feuer und Prüfungen wie Sterne, Sonne und Mond. Taberî reiht diese Ansichten anhand verschiedener Überlieferungsketten von Gefährten und nachfolgenden Generationen auf und verweist auch auf die lexikalische Bedeutung des Wortes 'ibtila' als 'Prüfung/Erprobung'.
لم يبتل أحد بهذا الدين فأقامه إلا إبراهيم، ابتلاه الله بكلمات فأتمهن؛ قال: فكتب الله له البراءة
Fahreddin er-Râzî12-13. Jh.✓ Zitat verifiziert
Nach dieser Aussage eines Koranausleger zeigt der Vers 'Mein Bund erstreckt sich nicht auf die Ungerechten', ob er nun als Bund der Prophetie oder als Bund des Imamat ausgelegt wird, letztendlich, dass der Prophet/Imam nicht sündig sein kann; denn der Imam ist jene Person, der man folgt, und während es eine Pflicht gibt, ihm zu folgen, würde es zu einem Widerspruch führen, wenn er eine Sünde beginge. Darüber hinaus zeigt der Vers, dass das Amt der Imamat und der Führung in der Religion nicht zu Ungerechten gelangen wird, und dass diejenigen, die diesen Rang anstreben, ihre Selbstherrlichkeit und Eigensinnigkeit aufgeben müssen.
والآية على جميع التقديرات تدل على أن النبي لا يكون مذنبا ، أما المخالف فقد تمسك في كل واحد من المواضع الأربعة التي ذكرناه بآيات
Kurtubî13. Jh.✓ Zitat verifiziert
Kurtubî erklärt Ibrahims Bitte um 'auch aus meinen Nachkommen', manchmal als einen Wunsch, manchmal als eine Frage; Allah hat ihm mitgeteilt, dass sich unter seinen Nachkommen diejenigen befinden werden, die ungehorsam sind und Unrecht begehen, daher wurde befohlen: 'Mein Bund erstreckt sich nicht auf die Ungerechten'. In diesem Rahmen wurde das Wort 'Ahd' auf unterschiedliche Weise als Prophetie, Imamat, Glaube, Erbarmen oder Allahs Religion ausgelegt, und aus diesem Vers wurde außerdem die Schlussfolgerung gezogen, dass der Imam aus dem Kreis der Gerechten und der Tugendhaften sein muss und dass grausame und sittenlose Personen nicht würdig für das Imamat sind.
قال بن عباس : سأل إبراهيم عليه السلام أن يجعل من ذريته إمام فأعلمه الله أن في ذريته من يعصي فقال : لا ينال عهدي الظالمين
Beydâvî13. Jh.✓ Zitat verifiziert
Nach Beydâvî werden verschiedene Ansichten zum Ausdruck 'Worte' überliefert; einige interpretieren dies als dreißig lobwürdige Eigenschaften, einige als Riten der Pilgerfahrt, einige als zehn Gewohnheitsgesetze, einige auch als bestimmte Prüfungen wie Sterne, Mond, Sonne, Gewohnheitsgesetze, das Opfern seines Sohnes, Feuer und Auswanderung. Weil Ibrahim diese Gebote vollständig erfüllte und sie pflichtgemäß ausführte, machte ihn Allah zum Vorbild für die Menschen; aber dieses Imamat erstreckt sich nicht auf die Ungerechten, denn das Imamat ist ein Anvertrautes und ein Bund von Allah, und der Ungerechte ist dafür nicht würdig. Der Text verweist außerdem darauf, dass dies ein Beweis dafür ist, dass die Propheten von großen Sünden frei sind und dass der Sünder nicht würdig für das Imamat ist.
وأنهم لا ينالون الإمامة لأنها أمانة من الله تعالى وعهد، والظالم لا يصلح لها، وإنما ينالها البررة الأتقياء منهم. وفيه دليل على عصمة الأنبياء من الكبائر قبل البعثة، وأن الفاسق لا يصلح للإمامة.
Zemahşerî12. Jh.✓ Zitat verifiziert
Nach Zemahşerî wird die Redewendung 'einige meiner Nachkommen' in Ibrahims Bitte deshalb mit dem Wort 'einige' begrenzt, weil Allah ihm mitgeteilt hat, dass unter seinen Nachkommen Ungläubige hervorgehen werden. Darüber hinaus verweist der Text darauf, dass Gutes und Schlechtes nicht an Abstammung und Herkunft (Rasse/Element) gebunden sind, dass von einem guten Menschen ein schlechtes Kind und von einem schlechten Menschen ein gutes Kind geboren werden kann; dass eine Person nur für ihre eigenen Taten tadelt wird, nicht dafür, für die Lage ihrer Vorfahren oder ihrer Kinder verantwortlich gemacht wird.
وإنما بعض لأنه علم بإعلام الله أنه يكون في ذريته كفار
Vergleich
Gemeinsamkeiten
Die meisten Koranausleger anerkennen, dass die Ausdrücke 'Worte' und 'Bund' mehrdeutig sind; die Vorstellung von Ibrahims Prüfungen zusammen mit dem Gedanken, dass der Bund nicht zu Ungerechten gelangen wird, bildet einen gemeinsamen Boden. Darüber hinaus wird in vielen Auslegungen die Betonung wiederholt, dass das Amt der Imamat und Führung bestimmte moralische Eigenschaften (Gerechtigkeit, Gehorsam, Sündenfreiheit) erfordert.
Unterschiede
Während Taberî sich damit begnügt, überlieferungsorientiert viele verschiedene Berichte über den Inhalt der 'Worte' aufzureihen, verlegen Râzî und Beydâvî die Angelegenheit durch theologisch-juristische Schlussfolgerungen in die Debatte über Imamat und Unfehlbarkeit. Kurtubî verbindet Überlieferung, sprachliche Analyse und juristische Schlussfolgerung, während Zemahşerî den Vers auf eine kontextuelle Lesart und ein moralisch-gesellschaftliches Prinzip (dass nicht Abstammung, sondern Handeln entscheidend ist) ausrichtet; diese Unterschiede entstehen aus den Methodenwahlpräferenzen der Ausleger (Überlieferung, Sprache, Theologie, Kontext).
Historischer Kontext
Der frühe Koranausleger Taberî beschränkt sich darauf, vielstimmiges Überlieferungsmaterial zu sammeln, während spätere Koranausleger (Zemahşerî, Râzî, Kurtubî, Beydâvî) dieses Material durch theologische und juristische Diskussionen (Bedingungen des Imamat, Frage der Unfehlbarkeit) systematisiert haben; der grundlegende Überlieferungskern blieb stabil, die Auslegungstiefe und der theoretische Rahmen entwickelten sich mit der Zeit.
Bezug zur Gegenwart
Diese vergleichende Lektüre erinnert daran, dass der Wert einer Person nicht von ihrer Herkunft oder Umgebung stammt, sondern von ihrer eigenen Anstrengung und Konsequenz; dies verweist auch auf die Bedeutung von Geduld und Aufrichtigkeit bei der Weitergabe von Werten innerhalb der Familie und in der Erziehung. Darüber hinaus bietet die Idee, dass Führung und Verantwortungsübernahme ein moralisches Anvertrautes darstellen, eine allgemeine Erinnerung auch in der Gegenwart an die Bedeutung einer dienst- und gerechtigkeitsorientierten Haltung.
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