مَّن ذَا ٱلَّذِى يُقْرِضُ ٱللَّهَ قَرْضًا حَسَنًا فَيُضَٰعِفَهُۥ لَهُۥٓ أَضْعَافًا كَثِيرَةً وَٱللَّهُ يَقْبِضُ وَيَبْصُۜطُ وَإِلَيْهِ تُرْجَعُونَ
“Wer ist es denn, der Allah ein schönes Darlehen gibt? So vermehrt Er es ihm um ein Vielfaches. Allah hält zurück und gewährt, und zu Ihm werdet ihr zurückgebracht.” — Bubenheim & Elyas
Taberî9-10. Jh.✓ Zitat verifiziert
Laut diesem Tafsir-Gelehrten bezeichnet das Wort 'قرض' (Darlehen) in dem Vers die Spende des Dieners auf dem Wege Allahs; Allah hat dies als 'قرض' (Darlehen) genannt, weil der Mensch sein Vermögen in der Hoffnung auf die von Allah versprochene mehrfache Belohnung gibt, ähnlich wie der Kreditgeber sein Vermögen mit der Erwartung einer Gegenleistung gibt. Dass die Spende 'حسن' (schön) ist, rührt daher, dass der Mensch dies als Gehorsam gegenüber Allahs Befehl, von Herzen und einzig um Seines Wohlgefallens willen tut. Außerdem erwähnt der Tafsir-Gelehrte die verschiedenen Lesarten des Wortes 'فيضاعفه' und gibt an, dass er die Lesart mit Alif und in gehobener Form bevorzugt.
وإنما سماه الله تعالى ذكره قرضا؛ لأن معنى القرض: إعطاء الرجل غيره ماله مملكا له ليقضيه مثله إذا اقتضاه. فلما كان إعطاء من أعطى أهل الحاجة، والفاقة في سبيل الله إنما يعطيهم ما يعطيهم من ذلك ابتغاء ما وعده الله عليه من جزيل الثواب عنده يوم القيامة، سماه قرضا
Zemahşerî12. Jh.✓ Zitat verifiziert
Zemahşerî weist in dieser Passage darauf hin, dass das Attribut 'الشكور' (Der Dankbare) in Bezug auf Allah nicht in eigentlicher, sondern in figürlicher Bedeutung verwendet wird; dieses Attribut bedeutet, dass Allah den Gehorsam des Dieners würdigt, ihm die vollständige Gegenleistung gibt und dem Belohnten Gnade erweist. Außerdem erklärt er, dass die Lesart 'حسنى' ein Masdar wie 'بشرى' ist, und dass Allah dem Diener seine Spende reichlich und mehrfach aus Seiner Fülle geben wird.
الشكور في صفة الله : مجاز للاعتداد بالطاعة ، وتوفيه ثوابها ، والتفضل على المثاب
Fahreddin er-Râzî12-13. Jh.✓ Zitat verifiziert
In diesem Text wird dargelegt, dass nach Râzî das Demonstrativpronomen 'ذلك' in seiner ursprünglichen Festsetzung keine Bedeutung der Ferne (buud) trägt, sondern nur in der konventionellen Anwendung mit Hilfe eines Kontexthinweises zur Bezeichnung von Fernem bestimmt wird. In diesem Zusammenhang wird argumentiert, dass das Wort 'ذلك' im Vers nach der sprachlichen Festsetzung (lugavî vaz') zu verstehen ist, nicht nach der konventionellen Festsetzung (örfî vaz'), und daher hier keine Ferne ausdrückt. Außerdem wird erklärt, dass der Ausdruck 'من ذا الذي يقرض الله' (Wer gibt Allah ein schönes Darlehen?) kein echtes Darlehen ist, sondern ein Vergleich und eine Anrede, die ausdrückt, dass Allah den Gehorsam des Dieners annehmen wird.
فهذا يدل على أن لفظة ذلك لا تفيدالبعد في أصل الوضع ، بل اختص في العرف بالإشارة إلى البعيد للقرينة التي ذكرناها ، فصارت كالدابة ، فإنها مختصة في العرف بالفرس
İbn Kesîr14. Jh.✓ Zitat verifiziert
Laut Ibn Kesîr informiert dieser Vers darüber, dass Allah Seine Diener zur Spende auf Allahs Weg ermutigt, und diese Bedeutung wird an vielen Stellen im Qur'an wiederholt. Die Geschichte von Ebu'd-Dahdâh el-Ensârî, der, als er erfuhr, dass Allah von ihnen ein Darlehen verlangt, seinen ganzen Garten und dessen Inhalt für Allahs Weg gab, wird als Grund der Offenbarung und Auslegung dieses Verses überliefert. Außerdem wird 'kesir' (mehrfache Vermehrung) als unzählbar viel in Allahs Augen erläutert, und es wird erwähnt, dass Allah den Lebensunterhalt einigen Seiner Diener knapp und anderen reichlich zumisst und darin eine tiefe Weisheit liegt.
لما نزلت قال أبو الدحداح الأنصاري يا رسول الله وإن الله عز وجل ليريد منا القرض قال نعم يا أبا الدحداح قال أرني يدك يا رسول الله قال فناوله يده قال فاني قد أقرضت ربي عز وجل حائطي
Kurtubî13. Jh.✓ Zitat verifiziert
Laut Kurtubî teilt dieser Vers mit, dass die Belohnung desjenigen, der ein schönes Darlehen (karz-ı hasen) auf dem Weg Allahs gibt, mehrfach vermehrt wird und dass diese Vermehrung unbegrenzt ist. In dieser Hinsicht wird besonders die Spende im Kampfeszug hervorgehoben, und die Geschichte von Ebu'd-Dahdah, der eilig sein Vermögen als Almosen gab, als dieser Vers offenbart wurde, wird als Beispiel angeführt. Außerdem werden die Lesartverschiedenheiten (die Ausspracheformen des Wortes 'فيضاعفه') und deren linguistische Begründungen behandelt.
ولما نزلت هذه الآية بادر أبو الدحداح إلى التصدق بماله ابتغاء ثواب ربه
Beydâvî13. Jh.✓ Zitat verifiziert
Laut Beydâvî kommt das Gebot, auf Allahs Weg zu kämpfen, nachdem es dargelegt wurde, dass die Flucht vor dem Tod keine Rettung ist und dass das Verhängte unvermeidlich eintritt; denn wenn der festgesetzte Termin im Wege Allahs kommt, gibt es das Martyrium, und wenn er nicht kommt, gibt es Sieg und Belohnung. Außerdem ist der Ausdruck 'Allah ein schönes Darlehen geben' eine Metapher, die gute Werke und Spenden auf dem Weg Allahs repräsentiert; die Belohnung für diese Werke wird mehrfach vermehrt gegeben. Der Ausdruck 'Allah engt ein und erweitert' erklärt, dass Allahs Gewährung von Enge für manche und Fülle für andere an Seiner Weisheit gebunden ist, weshalb man bei der gewährten Fülle nicht knauserig sein darf.
أمرهم بالقتال إذ لو جاء أجلهم في سبيل الله وإلا فالنصر والثواب
Vergleich
Gemeinsamkeiten
Alle Tafsir-Gelehrten stimmen darin überein, dass der Ausdruck 'قرض' (Darlehen) kein echtes Darlehen ist, sondern eine Metapher/einen Vergleich für die Spende auf dem Weg Allahs darstellt; außerdem teilen sie die Geschichte von Ebu'd-Dahdah als Beispiel für Spende und betonen gemeinsam, dass die Belohnung mehrfach vermehrt wird.
Unterschiede
Während Taberî und Kurtubî sich hauptsächlich auf Lesartverschiedenheiten und Überlieferungen konzentrieren, legen Zemahşerî und Râzî mehr Gewicht auf Sprach- und Beredsamkeitsanalyse (die Unterscheidung von vaz'-örf und die figürliche Verwendung des Attributs 'الشكور'); Ibn Kesîr priorisiert Überlieferungen und Überlieferungen der Vorgänger, während Beydâvî durch eine kontextbezogene Lesart Priorität setzt, indem er den Vers in den Kontext von Kampf und Termin einordnet. Diese Unterschiede spiegeln die methodische Vielfalt zwischen der Sprach-Beredsamkeits-Schule und der Überlieferungs-Tafsir-Schule wider.
Historischer Kontext
Der frühe Tafsir-Gelehrte Taberî verwendet Überlieferungen und Sprachanalyse zusammen, während in der späteren Zeit bei Zemahşerî und Râzî die Sprach- und Logikanalyse an Gewicht gewonnen hat; bei Ibn Kesîr und Kurtubî blieb die Überlieferungsbetonung stark. Beydâvî verbindet mit einem zusammenfassenden und synthetischen Ansatz die früheren Erkenntnisse in einem kontextuellen Rahmen; die grundlegende Bedeutung (dass die Spende metaphorisch als 'Darlehen' qualifiziert wird) blieb über alle Perioden hinweg konstant.
Bezug zur Gegenwart
Dieser Vers bietet einen Grund für die Idee, dass der Mensch die ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten mit einem herzlichen Verständnis des selbstlosen Dienstes statt bedingungsloser Erwartung teilen kann, was die gesellschaftliche Solidarität stärken kann. Die Vorstellung, dass auch eine kleine von ganzem Herzen geleistete Hilfe sowohl eine große geistige als auch gesellschaftliche Gegenleistung haben kann, kann heute als inspirierende Haltung in Bildungs-, Hilfeleistungs- und gesellschaftlichen Unterstützungsprojekten betrachtet werden.
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